Sunday, lazy Sunday

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Ich lerne ja immer gerne etwas Neues, vor allem über mich selbst. Im Moment lerne ich gerade, dass es völlig okay ist, theoretisch Zeit für etwas zu haben, auf das man sogar Lust hat, es aber dann nicht zu tun. 

Da liegen wunderschöne Wollknäuel in meinem Strickkorb fürs Fernsehstricken schöner Accessoires. Mehrere Regalbretter halten Bücher zum Lesen bereit, auf die ich ganz gespannt bin. In meinem neuen Regal liegen sortiert tolle Zeichenblöcke, die ich sehr gerne mit Bildern füllen möchte. Neben der Nähmaschine liegen super schöne Schnittmuster für die perfekte Tasche, das neue Lieblingskleid (ganz sicher!) und noch mehr. Hinter dem Schreibtisch warten Passepartouts, Bilderrahmen und Motive darauf, zu einem tollen Ensemble zusammengefügt zu werden. Ein großer Stapel interessanter Zeitschriften, über Monate angehäuft, verspricht entspannte Stunden.

Im letzten Jahr und eigentlich auch im Jahr davor war mein sehnlichster Wunsch, endlich (!) wieder Zeit für all diese tollen Dinge zu haben, dabei war ich ja diejenige, an der der vermeintliche Zeitmangel lag. Ich selbst hatte entschieden, dass mir andere Dinge wichtiger sind, obwohl ich immer mehr merkte, dass es mir nicht gut tat. Mehr Zeit fürs Stricken, Nähen, Lesen, Zeichnen, Malen, auch Sport und Freunde treffen, alles das waren Sehnsüchte, die eigentlich nur Symptome für das eigentliche, tiefsitzende Problem spielten: Welche Prioritäten ich in meinem Leben setzen wollte.

Und dabei ging es eigentlich nicht um Arbeit oder Freizeit. Work-Life-Balance. Es ging um alle anderen oder mich. Das, was alle anderen von mir wollen, oder das, was mir gut tut und was ich will – und bereit bin, dafür zu tun oder eben nicht.

Im Moment tut es mir unheimlich gut, keine Pläne zu machen, die bestehenden Verpflichtungen nicht zu dogmatisch zu sehen und vor allem die Erwartungen an mich selbst nicht zu hoch zu schrauben. Wenn früher jemand zu mir sagte: „Dein Tag muss mehr als 24 Stunden haben, bei dem was du alles schaffst“, war ich stolz. Heute bringt es mich zum Nachdenken. Wer hat mich denn dazu getrieben, das alles zu schaffen? Nur ich. Wer hat es mir gedankt? Nicht mal ich. Wo war da also der Gewinn für mich?

Ich lerne langsam. Aber das schlechte Gewissen, wenn ich am Wochenende nicht die komplette Wohnung entrümpelt, alle Bücher des SUB gelesen und alle Stoffe vernäht habe, während ich alle offenen Aufgaben für den AKEP und astikos erledigt und mich mit mindesten drei Freund*innen, meiner Mutter und sonst wem getroffen habe – es hält sich mittlerweile in erträglichen Grenzen.  Und das ist für mich gerade entspannender, als ihr euch vielleicht vorstellen könnt.

 

Autor: Kitty

Büchermachender Bücherwurm mit feministischen Tendenzen und einer dunklen Vergangenheit im Bildungswesen. Kommuniziert viel, gerne und macht das irgendwie auch beruflich.

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