Waterman-Fueller
Waterman-Fueller

Blau auf Weiß – Eine Liebeserklärung an den Füller

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Es mag seltsam anmuten in diesen digitalen Zeiten, eine Liebeserklärung an einen Füller zu schreiben. An ein Schreibgerät, dass für viele nur noch eine Erinnerung an die Zeiten ist, als man noch Noten auf seine Handschrift erhielt und es kaum abwarten konnte, bis man endlich, endlich! mit Kugelschreiber schreiben durfte – der laut einhelliger Meinung sowohl von Eltern als auch von Lehrern bei zu früher Nutzung das Schriftbild für immer versaue. Auch ich bin diesem Reiz des Verbotenen erlegen und freute mich über jeden Kugelschreiber, dessen ich habhaft werden konnte. Doch bald schon merkte ich, dass nichts an das Schreibgefühl eines Füllers herankam, dass zwar für simple Notizen oder eine schnelle Einkaufsliste der Kuli seinen Dienst erfüllt, dass aber für alles Schriftliche, was länger als einen Tag Bestand haben soll, der Füller ein viel angenehmeres Schriftbild und Schreiben ermöglicht.

Viele Füller kamen und gingen. In Erinnerung ist mir – natürlich – der LAMY Lernfüller aus der Grundschule geblieben. Der lange Schaft aus „Holz“ mit dem roten Quader am Ende, auf dem der Füller stehen konnte; mit der Kappe, in deren Schmalseite man ein Schildchen mit dem Namen des Besitzers anbringen konnte (sinnvoll, da ihn ja JEDER hatte); und mit den Spezialpatronen, die eine Reservekammer hatten: war die Patrone leer, schnippte man dagegen und es kam noch Tinte für ein paar weitere Worte heraus. Damit war wertvolle Zeit gewonnen, bis man dazu kam, die Patrone auszuwechseln.

Dieser ersten Füller, mit dem ich mir mehrmals beim Schreiben von Aufsätzen Blasen an den Fingerkuppen holte, wurde abgelöst vom alten Geha-Füller meiner Mutter, den ich in den Ferien in einer Schublade fand. Zum ersten Mal hatte ich etwas besonderes: ein Schreibgerät mit Geschichte – und mit Patronen, die sonst keiner hatte. Waren sie leer und keine Ersatzpatronen mehr in der Schachtel, musste ich mir von der Lehrerin einen Ersatzstift leihen; ein Graus. Noch heute suche ich nach einer Feder wie der dieses grünen Geha-Füllers mit silberner Kappe: Sie hatte die perfekte Dicke, der Füller selbst lag leicht in der Hand, und wenn er mit seiner königsblauen Tinte über das weiße Papier fuhr, freute ich mich daran, wie gleichmäßig die Buchstaben wurden.

Leider ging eines Tages die Feder kaputt, und schon damals war es so, dass eine neue Feder einsetzen zu lassen teurer wäre als sich gleich einen neuen Füller zu kaufen. Es folgte die Rückkehr zu LAMY, diesmal ohne Kuhlen für die Finger wie beim Schreiblernfüller, und auch ohne bleibende Erinnerung. Auch wie er mir abhanden kam, ich weiß es nicht mehr. Vielleicht habe ich ihn auch einfach entsorgt, als ich zu Weihnachten meinen ersten Waterman-Füller geschenkt bekam; der klassische silberne, den man gerne als Set mit dem passenden Kugelschreiber verschenkt. Mit ihm schrieb ich mein Abitur, mit blauschwarzer Tinte, passend zum Recyclingpapier, das man uns austeilte. Mit Royalblau wiederum begleitete mich der Waterman bis zur Zwischenprüfung, dann versagte ihm die Feder. Es folgte ein roter Waterman, mit dem ich meine Magisterprüfung schrieb – und der nach der Abschlussprüfung der Buchwissenschaftler keine Tinte mehr liefern wollte. Ich kaufte das gleiche Modell in Grau nach.

Dieser graue Waterman hat mich lange begleitet, im Beruf, auf Reisen, überall. Und auf meiner, unserer größten Reise bisher, nach Südamerika, hat er mit seiner blauen Tinte die weißen Seiten meines Reisetagebuchs gefüllt. Doch mittendrin, da gab auch er auf und wollte einfach keine Tinte mehr ausspucken. Ein großes Dilemma, denn in der bolivianischen Einöde findet man nicht so leicht ein Schreibwarengeschäft … und einer der Gründe, warum das Reisetagebuch noch nicht fertig ist. Zurück in Deutschland habe ich lange gezögert: noch einmal Waterman, oder ist es Zeit für etwas Neues?

Ich habe mich kurzerhand bei Kautbullinger beraten lassen, und innerhalb von 5 Minuten hatte ich ihn in der Hand: meinen Füller. Ein Cross in edlem Schwarz mit silbernen Details, der etwas schwerer in der Hand liegt als meine Watermäner, dafür aber einen Traum von einer Feder sein eigen nennt. Schreiben mit ihm fühlt sich jedesmal erhaben an, und gleichzeitig ist mir mit dem Füller zu schreiben noch nie so leicht gefallen. Ich muss keine Angst davor haben, dass ich bei längerem Schreiben Schmerzen im Handgelenk bekäme, und selbst die kleinste Notiz macht mit diesem Füller einfach Spaß. Nicht nur schreibe ich das Reisetagebuch weiter, auch meine täglichen Einträge ins Bullet Journal fertige ich damit an, oder meine Notizen in der Arbeit.

Immer wieder bekomme ich Komplimente für meine Schrift und für mein gleichmäßiges Schriftbild. Viele fragen mich, ob ich dafür besonders intensiv geübt hätte. Tatsächlich habe ich in meiner Jugend, wie viele die ich kenne auch, unterschiedlichste Schriften ausprobiert, bis sich meine eigene Handschrift entwickelt hatte. Es gibt Schulhefte aus dieser Zeit, in der jede Seite von jemand anderem geschrieben worden zu sein scheint; tatsächlich habe ich nur ausprobiert, was mir liegt: nach links geneigt, nach rechts geneigt, gerade, Druckschrift, Schreibschrift … aber immer habe ich diese Experimente mit dem Füller durchgeführt, und ich glaube, dass das wesentlich dazu beigetragen hat, dass meine Schrift nun ist wie sie ist. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, NICHT mit Füller zu schreiben. Und wer jetzt sagt, er könne das nicht, weil man seine Schrift dann gar nicht mehr lesen könne – probiert es einfach mal aus, vielleicht werdet ihr vom Ergebnis selbst überrascht sein.

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur diesjährigen Blogparade der Münchner Ironblogger. In diesem Jahr geht es für uns Iron Blogger um das Thema Weiß-Blau oder seine Umkehrung Blau-Weiß. Vor mir schrieb Alexandra Lattek über den Tegernsee, morgen widmet sich Matthias J. Lange dem Thema.

Autor: Kitty

Büchermachender Bücherwurm mit feministischen Tendenzen und einer dunklen Vergangenheit im Bildungswesen. Kommuniziert viel, gerne und macht das irgendwie auch beruflich.

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