Nochmal Sketchnotes – was Zeichnen Positives bewirken kann

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Das Zeichnen von Sketchnotes habe ich zu Beginn nur als Technik zur Illustration von Vorträgen und Lesungen verwendet, immer dann, wenn die Gelegenheit sich ergab. Erst spät kam ich auf die Idee, die kleinen Zeichnungen auch wieder in meinen Alltag zu integrieren.

Vor einem Jahr fühlte ich mich völlig verfahren und verrannt in meiner beruflichen Situation. Weil ich alleine nicht mehr weiterkam, suchte ich die Hilfe von Sandra von KiwiBlau bei einem Coaching. Einer der Punkte der mich störte war, dass ich aufgrund der vielen Aufgaben die ich erfüllen musste, gar kein Bewusstsein mehr dafür hatte, was ich alles leistete. Ich sah immer nur, was alles noch zu erledigen war. Die Erfolge im Alltag wie etwa ein leerer Posteingang in Mail oder ein Meilenstein bei der Neugestaltung der Website zählten in meinen Augen nichts mehr gegen die vielen offenen Punkte auf der To do-Liste.

Als sehr guter Coach brachte mich Sandra dazu, mir zu überlegen, wie ich dieses Bewusstsein wieder erlangen und mich im übertragenen Sinne für die erledigten Aufgaben belohnen könnte. Da erinnerte ich mich an etwas aus meiner Grundschulzeit, das ich als sehr motivierend empfunden hatte: Fleißbildchen. Kennt die noch wer? Die verteilte die Lehrerin für besondere Leistungen, und die Bilder hatten Sammlerwert. Ich wollte mir aber zur Belohnung nicht extra etwas kaufen, um es mir dann selbst zu überreichen; ich wollte selbst aktiv werden. Und da entstand die Idee, mir eigene Fleißbildchen zu malen.

Wir beschlossen also, dass ich, um den Feierabend zu markieren, jeden Abend nach Feierabend noch 10 Minuten investieren solle, um die erledigten Aufgaben des Tages zu reflektieren und mich mit Fleißbildchen dafür zu belohnen. Die Ergebnisse schickte ich vier Wochen lang jeden Abend per WhatsApp an Sandra, und wenn ich mich nicht bis 18.30 Uhr gemeldet hatte (was wir als spätest möglichen Feierabend ausgemacht hatten), würde sie sich bei mir mahnend melden.

Zu Beginn zeichnete ich die Bildchen auf PostIts, je eines für einen der Arbeitsbereiche, die ich hatte. Diese klebte ich dann in ein kleines Schulheft und versah sie mit Datum. Das Heft reichte nicht einmal für drei Wochen, weil ich auf einmal merkte, wie viele Aufgaben ich tatsächlich jeden Tag erledigte – und die bekamen alle ein Bildchen!

Feierabend feiern

Feierabend feiern

Manche Aufgaben waren sogar so groß, dass ich vier PostIts zu einem größeren zusammenklebte, um die Relation zu wahren; das war zum Beispiel bei den Meilensteinen der neuen Website so, da gab es dann zur Belohnung auch schon einmal ein großes gezeichnetes Steak.

Feierabend feiern

Feierabend feiern

Ich schenkte mir Blumen, Herzen, schrieb mir kleine Briefchen, es gab Sterne, Steaks und Eis. All die Belohnung für meine Arbeit, die ich sonst nicht bekam: Jetzt gab ich sie mir selbst. Und so ganz nebenbei fand ich auch meinen Zeichenstil wieder, wurden meine Striche wieder sicherer, flossen die Ideen nur so auf das Papier. Als das kleine Heft nach drei Wochen voll war, fing ich ein Leerbuch mit 112 Seiten an.

Sandra musste vielleicht zweimal in den ausgemachten vier Wochen anmahnen, dass ich um 18.30 Uhr noch nichts geschickt hatte. Mein Feierabend fand wieder regelmäßiger vor 19 Uhr statt, denn ich hatte ja schon einiges geschafft an diesem Tag, da konnte ich auch beruhigter nach Hause gehen. Die Gelassenheit schaffte es wieder, in meinen Arbeitsalltag einzukehren. Denn was ich nicht schaffte, lag nicht daran, dass ich zu wenig arbeitete – sondern dass es zu viele Aufgaben waren, die von einer Person erledigt werden mussten. Diese Erkenntnis kam nicht durch die Fleißbildchen alleine, natürlich nicht; aber die Visualisierung hat ein großes Stück dazu beigetragen. Sie hat mir gezeigt, dass ich mich viel zu häufig mit kleinen, unbedeutenden Aufgaben herumärgern musste, sodass wenig Zeit für die wirklich wichtigen Dinge blieb; die, die eigentlich meinen Job ausmachten. Zweieinhalb Monate nach dem Coaching mit Sandra habe ich mir einen neuen Job gesucht, einer, bei dem die Jobbeschreibung und das tatsächliche Aufgabengebiet übereinstimmen. In dem ich so viel Feedback und Anerkennung bekomme, dass ich mich nicht mehr selbst mit Fleißbildchen belohnen muss.

Beim Durchblättern des Buches fällt mir wieder ein, wie viel Spaß mir das tägliche Zeichnen gemacht hat. Einfach spontan zu einem Begriff ein kleines Bildchen zu entwerfen, das keinerlei Anspruch auf Perfektion hat, ganz auf den Moment seiner Entstehung konzentriert. So ein wenig mehr Kreativität im Alltag ist nie verkehrt, und deswegen habe ich mir ein neues kleines Notizbuch besorgt. Es trägt noch keinen Namen wie „Feierabend feiern“, aber vielleicht findet man ja ab und zu etwas unter dem Hashtag #Kittyzeichnet …

Autor: Kitty

Büchermachender Bücherwurm mit feministischen Tendenzen und einer dunklen Vergangenheit im Bildungswesen. Kommuniziert viel, gerne und macht das irgendwie auch beruflich.

3 Kommentare

  1. was für eine tolle idee und dazu eine tolle geschichte –
    und eine wunderbare inspiration <3

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